Amstetten und der Tourismus

5.Mai.2008 admin
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© clarameetsworld

Noch vor einigen Wochen war die Gemeinde amstetten im österreichischen Mostviertel alles andere als bekannt. Der Ort hat Schloss Ulmerfeld zu bieten, dazu kommen einige sehenswerte Kirchen und eine Nervenheilanstalt wurde im Jugendstil des bekannten Architekten Carlo von Boog erbaut. So weit so gut und eigentlich bräuchte man den 23.000 Einwohner Ort nicht weiter zu erwähnen, wäre, ja wäre da nicht Das Böse in Amstetten (Telepolis), das Horror-Haus (Kronen-Zeitung) oder das Inzest-Monster (BILD Online)

Und so kommt es laut Kölnischer Rundschau zu einem wahren Horror-Tourismus.

Es ist schon erschreckend, dass so viele Menschen geradezu "geil" darauf sind, sich die Orte des medial inszenierten Familiendrama "hautnah" anzusehen:

Das Bezirksstädtchen Amstetten, vor allem aber das "Haus des Horrors", wie Boulevardblätter das Haus Fritzls in der Ybbsstraße nennen, ist zum Reiseziel von Urlaubern – nicht wenige aus Deutschland – geworden. Sie nehmen – so Vizebürgermeisterin Ursula Puchebner – einen "Umweg" von der Autobahn in Kauf, um einen kurzen Blick auf den grauen Block zu werfen, in dessen dunklem Keller sich fast ein Vierteljahrhundert unbeschreibliche Szenen abgespielt haben müssen. "Die Motivation, die dahintersteht, ist nicht nachvollziehbar", meint Puchebner. Dieser "Katastrophentourismus" trifft auf eine Stadtbevölkerung, die durch die jüngsten Ereignisse zutiefst erschüttert ist.

Ich erinnere mich daran, dass ich bei einem Besuch in Rothenburg auch nach Jahren noch auf den Kannibalen angesprochen wurde – im Falle von Amstetten könnte es im schlimmsten Fall Jahrzehnte dauern, bis der Tourismus wieder in normalen Bahnen verläuft.


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