Bayern: Neuschwanstein als neues Weltwunder?

21.Mai.2007 admin
Bayern: Neuschwanstein als neues Weltwunder?

Die sieben Weltwunder kennen wir alle aus dem Geschichtsunterricht oder (im schlechteren Fall) aus einer der zahlreichen Quizschows. Um das Wissen noch einmal aufzufrischen: Hier handelte es sich um den Koloss von Rhodos; das Mausoleum von Halikarnass; den Leuchtturm auf der Insel Pharos bei Alexandria; die Hängenden Gärten der Semiramis; den Tempel der Artemis; die Zeusstatue von Olympia und die Pyramiden von Gizeh.

Doch unglücklicherweise sind all diese Bauwerke -außer den Pyramiden- längst verschwunden. Höchste Zeit für sieben neue Weltwunder, von denen eines das Schloss Neuschwanstein werden soll.

Auf der Seite New7wonders.com können die neuen Weltwunder gevotet werden und das von Ludwig II. errichtetet Märchenschloss befindet sich hier in Konkurrenz mit Eiffelturm, Taj Mahal, Alhambra oder auch Stonehedge und der akropolis.

Doch glaubt man einem Artikel in der "Welt", so hat das Schloss in der Nähe von Füssen durchaus Chancen, gewählt zu werden:

Die Initiative "Ein Weltwunder für Deutschland", zu der sich der Landkreis Ostallgäu, die Stadt Füssen, die Gemeinde Schwangau und die Allgäu Marketing GmbH zusammengeschlossen haben, hat 60.000 Euro für Werbung bereitgestellt. Es herrscht hektische Betriebsamkeit. Oder überspitzt: Torschlusspanik.

Doch regt sich an dieser Initiative durchaus Kritik. Denn Neuschwanstein leidet nun nicht gerade unter mangelnder Popularität:

So bekennt beispielsweise Egfried Hanfstaengl, Präsident der Bayerischen Schlösserverwaltung, dass er "keineswegs Fahnen schwenkend" für die Teilnahme an der Internetabstimmung wirbt.

Hanfstaengl saß bei der Münchner Pressekonferenz der Initiative Ein Weltwunder für Deutschland zwar mit am Tisch. Tief drinnen aber hat er seine Zweifel, ob Neuschwanstein die zusätzliche Publicity braucht und ob es, bei 1,2 Millionen Besuchern pro Jahr, noch mehr Touristen verkraftet. Skeptisch ist auch das Landesamt für Denkmalpflege: "Das Problem von Neuschwanstein ist nicht ein zu geringer Bekanntheitsgrad, sondern die Übernutzung", sagt Generalkonservator Egon Johannes Greipl. Dass sich Neuschwanstein mit dem "Weltwunder"-Prädikat "international besser vermarkten kann", wie eine Sprecherin der Organisation Neue Sieben Weltwunder sagt, macht Greipl eher Sorgen. In der Region aber und auch in der Politik sind es genau diese erhofften wirtschaftlichen Effekte, derentwegen man nun die Kräfte mobilisiert.

Doch ob Weltwunder oder nicht: Neuschwanstein sollte man einfach gesehen haben. Nach der Grundsteinlegung im Jahr 1869 war dieses Bauwerk der Superlative zeit seiner Errichtung ein Politikum, was der Popularität aber keinen Abbruch getan hat.

Nähere Informationen finden sich auf der Webseite Neuschwanstein.de. Eine Eintrittskarte kostet derzeit faire 9,00 Euro.


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