Dubai: Potemkinsche Dörfer in der Wüste

20.Mai.2006 admin
Dubai: Potemkinsche Dörfer in der Wüste

Dank des hervorragenden Inflight-Entertainments von Emirates vergingen die sechs Stunden von München nach Dubai buchstäblich "im Fluge". Ein paar meiner Lieblings-CDs hören, einen Film aus mehreren 100 Kanälen auswählen, ab und zu mal auf die Bilder der beiden Außenbord-Kameras schauen, Spiele – für Abwechslung wird hier wirklich gesorgt. Auch das Essen an Bord (mit richtigem Besteck) kann sich selbst in der Economy-Class sehen lassen.

Nach der pünktlichen Landung schon mal der erste Blick auf die riesigen Duty-Free-Shops im Flughafen. Auch im Ankunftsbereich noch vor der Gepäckausgabe gibt es einen. Unglaublich, dass dieser airport schon wieder zu klein sein soll. Nicht weit von hier entfernt hat bereits der Bau eines neuen Flughafens begonnen. Natürlich der "größte der Welt". Sechs parallele Landebahnen, sechs Terminals – geplant für 120 Millionen Menschen pro Jahr. Etwa so viel, wie die Airports von Los Angeles und London-Heathrow zusammen. Und eine neue Stadt rund um "World Central" – so der Name des neuen Giga-Projekts – soll auch entstehen: Für eine Million Einwohner und mit 850 Hochhäusern.

Doch zurück in die Gegenwart: 31 Grad Celsius zeigt das Thermometer hier selbst noch um Mitternacht. Da nimmt man die eisgekühlten Erfrischungstücher und Getränke, die der Fahrer des Shuttlebusses vor dem Start der Fahrt in die Wüste reicht, doch sehr gerne an. Vorbei an zahlreichen Baustellen, an denen Tag und Nacht gearbeitet wird, geht es ins Bab Al Shams Desert Resort & Spa.

Offensichtlich hat man hier ziemliche Angst vor Rasern auf den sechs- bis achtspurigen Highways. Denn immer wieder sind Schwellen eingebaut, wie man sie bei uns aus Tempo-30-Zonen kennt, um die Fahrer zur Tempodrosselung zwingen. Plötzlich tauchen mitten in der Wüste beleuchtetete Felsentore und Häuserfassaden auf. Eine Fata Morgana mitten in der Nacht? Nein – Werbung für Dubailand, dem geplanten riesigen Vergnügungspark. Der erste Bauabschnitt der auf 20 Quadratkilometern Fläche entstehenden sechs Themenwelten soll bereits nächstes Jahr eröffnet werden und das Gesamtprojekt wird – selbstverständlich – Disneyland in den USA weit in den Schatten stellen. Die Fassaden sind auf Stahlrohrgestelle montiert, dahinter ist nur Sand. So stelle ich mir die berühmten "Potemkinschen Dörfer" vor.

Echt sind dagegen die tausende von Ã-l-Fakeln, die das Bab Al Shams und die umgebende Wüste feuerrot erleuchten. Wie in einem Märchen aus 1001 Nacht. Im Zimmer (mit direktem Blick von der Terasse auf die Wüste) probiere ich erst mal den Highspeed-Internetzugang aus. Funktioniert prächtig.

zensor.bmp

Bis dann bei der einen oder anderen Website dieser Text erscheint:

"We apologize the site you are attempting to visit has been blocked due to its content being inconsistent with the religious, cultural, political and moral values of the United Arab Emirates.."

Nach welchen Kriterien hier zensiert wird, erschließt sich allerdings nicht. Die chinesischen Behörden sind mit ihrer Angst vor dem Internet offensichtlich nicht alleine. So schnell wird man aus der Märchenwelt gerissen.


Hinterlasse eine Antwort



Impressum