"I tattoo youÂ"
9.Dezember.2005 admin
Die gesellschaftliche Funktion der Tätowierung stellt nun der in Seoul geborene Künstler Kim Joon in seiner Ausstellung "I tattoo you" in Frage. Er spielt mit dem Genre. Wer ist "in", wer ist "out"? Gruppe versus Individuum – auf Fotos, in Videos und 3D-Grafiken zeigt Kim-Joon das Tattoo als soziale erfahrung und wirft die stereotypen Bildermuster von Ost und West durcheinander.
So "brandmarkt" er nackte Körper mit dem Firmen-Logo von Sturbucks, überzieht sie mit Marien-Bildern oder lässt den mit aufwändigen Ornamenten versehenen Menschen mit dem Hintergrund verschmelzen.
Das "Arschgeweih" über manch jugendlichem Derrière mag nicht immer ein erfreulicher Anblick sein. Doch das Tätowieren exponierter Körperstellen hat eine lange Tradition. Bereits Ötzi trug vor über 3000 Jahren eine Tätowierung – allerdings nicht am Hintern, sondern an den Beinen. Auch im antiken Griechenland kannte man die Fertigkeit, mit Pigmenten Bilder in die Haut zu stechen.
Zu den Pionieren von Tattoos gehören die Ainus, Japans Ureinwohner, sowie die Polynesier. Seitdem zählt das Tätowieren vor allem in Asien zu den klassischen Künsten genauso wie Kalligrafie oder Tuschmalerei. Tattoo-Meister werden hoch verehrt.
Aber Tätowierungen stigmatisieren auch, weil sie nicht nur Schmuck sind, sondern zugleich auch immer das Bekenntnis zu einer bestimmten Gruppe. Kein anderes Medium ist dem Träger physisch näher. Schließlich wird es schmerzhaft in die Haut punktiert und ist nur sehr schwer zu entfernen. Sekten, kriminelle Vereinigungen, Matrosen, Gefängnisinsassen – kurzum meist verschworene Gemeinschaften trugen einst (und tragen immer noch) Tätowierungen. Das Tattoo dient als Kitt für ein Gruppenzugehörigkeitsgefühl.
"I tattoo you"
Kim-Joon
9.12.2005 bis 15.1.2006
Galerie Alexander Ochs
Sophienstr. 21
10178 Berlin
artnet.de