Kremserfahrt in Brandenburg
15.Oktober.2008 admin
© Jesus Presley
Ein bisschen Provinzposse ist es ja schon, wenn die Märkische Allgemeine nun voller Stolz vermeldet, dass der Gestütsverbindungsweg zwischen Neustadt/Dosse (Ostprignitz-Ruppin) und Redefin (Mecklenburg-Vorpommern) nunmehr für Kremser, Kutschen und Reiter geöffnet wird.
Denn eigentlich wird die Region mit den Kutschfahrten durch die malerischen Wälder ja eher aufgewertet, was mancher Waldbesitzer lange Zeit anders sah. So wurde den Besitzern einzelner Wegabschnitte über mehrere Jahre ein Verweigerungsrecht eingeräumt, was diese auch weidlich ausnutzten. Schluss damit! Und auch Rolf Ruhnau, Besitzer eines Pferdehofes in der Uckermark und Präsidiumsmitglied beim Brandenburgischen Pferdezuchtverband, hat sich für die Abschaffung des Verbots eingesetzt. Es habe einfach nicht funktioniert. "Wenn ich ein Waldstück befahre, kann ich nicht jeden einzelnen Besitzer nach einer Genehmigung fragen, ob ich es darf", sagt Ruhnau. Er wisse doch gar nicht, wem die Waldstücke gehören. Kutschfahrten würden immer beliebter, da brauche es praktikable Lösungen.
Nach Ansicht der Waldbesitzer ist die jetzige Lösung aber auch nicht praktikabler. Auch, wenn sich die Touristen über die Kutschfahrten freuen dürften, scheinen angeblich auch Autos Tür und Tor geöffnet. Eine Argumentation, die nur bedingt nachvollziehbar erscheint, denn trotz geöffneter Schranke bedürfte es doch lediglich regelmäßiger Kontrollen, um das Autofahrverbote aufrechtzuhalten.
Ähnliches gilt für die Problematik, dass die Waldwege unter Kutschrädern und Hufen leiden könnten: auch hier lässt sich eine Lösung finden, die diese – im Fall der Fälle – wiederherstellt.
Nichtsdestotrotz ist es sowohl für Urlauber als auch für die Region von Vorteil, wenn der Reichtum an Natur und Pferden gleichermaßen genutzt werden kann: Angesichts von 110.000 Hektar Fläche Wald und 200 Pferdezuchtbetrieben, von denen 70 bereits touristisch genutzt werden, durchaus ein relevanter Wirtschaftsfaktor.