Namibia – Tourismus einmal anders
12.September.2008 admin
© Mara 1
Schaaahatz. Kannst du die Kleinen noch im Fidel-Castro-Kindergarten abholen? Ich muss noch dringend ins Saddam-hussein-Shoppingcenter, um dort einzukaufen. Was wie ein seltsames Sammelsurium polititscher Richtungen klingt, wird im namibianischen Windhuk spielerisch vereint. Und neuerdings haben auch Touristen die Möglichkeit, diese skurrilen Plätze in den Slums der Metropole kennen zu lernen.
So berichtet der Spiegel über den Slum-Tourismus in der ehemals deutschen Kolonie und preist die Errungenschaften der Reiseveranstalterin:
"Manche Kids in den Townships von Windhuk machen bei unseren Touren ihre erste Erfahrung mit Weißen und ausländischen Urlaubern", erläutert Rebekka Hidulika, Chefin von "Wanderzone Tours". Die 26-Jährige schmerzt es seit ihrer Teenager-Zeit, dass die meisten weißen Bewohner von Windhuk sowie Touristen einen großen Bogen um die Armenviertel von Namibias Hauptstadt machen.
Frau Hidulika ist damit eine der wenigen schwarzen Unternehmerinnen im Tourismusbereich und ist klar der Meinung, dass das Land im Südwesten Afrikas mehr zu bieten hat als exotische Tiere und deutsche Kolonialgeschichte:
Damit meint sie in ihrem Vielvölkerland vor allem Ureinwohner wie Ovambo, Herero und die vielen Naturstämme, von denen manche heute noch am Rande von Wüste und Gebirge wie vor Jahrhunderten jagen und leben. Auch die sanfte Begegnung mit einer "Bushmen community" bietet Rebekka an.
Ein idealer Einstieg in den Afrika-Tourismus? Offensichtlich schon, denn in dem Land gibt es vergleichsweise wenig Kriminalität und ein recht stabiles politisches System.
So kann man seinen Urlaub auch einmal abseits touristischer Infrastruktur genießen und dabei völlig neue Erfahrungen machen.
Positiv sind solche Slum-Touren vor allem dann zu bewerten, wenn die Veranstalter mit einheimischen Gruppen bzw. den Menschen im Slum zusammen arbeiten. In diesem Fall fließt ein Teil der touristischen Einnahmen zurück zu den Bedürftigen in den Elendsvierteln – und lässt sich damit auch moralisch rechtfertigen. Andernfalls steht man schnell in der Kritik, im Slum nur Voyeurismus zu betreiben und sich an der Armut anderer zu ergötzen. Deshalb sollte man genau prüfen, mit welchem Anbieter man sich ins Elensviertel begibt…
Ich kann Verena nur Recht geben. Solche Slum-Reisen sind ein zweischneidiges Schwert. Einerseits sinnvoll, andererseits dienen diese oft nur der Gewissensberuhigung. Sofern es nur darum geht, zu beweisen, wie gut es einem geht, ist das Ganze eher fraglich. Ich habe aber schon von Leuten gehört, die komplett ihre Lebenseinstellung nach einem solchen Erlebnis geändert haben und aktiv in die Entwicklungshilfe unterstützen. Hier habe ich übrigens noch einen guten Reisebericht über Namibia gefunden (einfach auf meinen Namen klicken). Es geht darin zwar “nur” um Normaltourismus, doch sind Slum-Reisen auch nicht wirklich für jedermann geeignet.