Tourismus: Region Oberbayern in der Krise?

23.April.2007 admin
Tourismus: Region Oberbayern in der Krise?

"Willkommen in Oberbayern" – glaubt man einem Artikel im Münchner Merkur so hören Jahr für Jahr weniger Touristen diesen Satz. Denn unter der Überschrift Auslaufmodell "Eiche rustikal" findet sich unter anderem die Information, dass die Zahl der Übernachtungen in den letzten zehn Jahren um 6,8 Prozent gesunken ist:

Die Berge sind traumhaft, doch touristisch gesehen ist die Gegend um Oberammergau ein Jammertal. Cheftouristiker Jörg Christöphler sinniert über "Portfolio-Strategien", das "ausgelutschte" Wellness-Angebot der hiesigen Hotellerie und die Überalterung der Stammgäste. Die Zahlen, stöhnt er, "die machen uns Sorgen".

26 Prozent der Urlauber in den ammergauer alpen rund um den Passionsspielort sind über 60, der größte Teil von ihnen sogar über 70. Die Übernachtungszahlen: rückläufig, zuletzt minus neun Prozent. Die Aufenthaltsdauer beträgt im Durchschnitt fünf Tage. Noch 2004 waren es mehr als acht.

Doch scheinen dabei auch andere Regionen betroffen zu sein:

Ob Bad Tölz-Wolfratshausen (minus 26,8 Prozent), Berchtesgadener Land (minus 18,8 Prozent) oder Garmisch-Partenkirchen (minus 16,9 Prozent) – die Zahl der Übernachtungen hat im Zehn-Jahres-Vergleich 1996/2005 Schwindsucht. Oberbayernweit sind es 6,8 Prozent minus – nur das starke Plus der Stadt München (71,6 Prozent) und Zuwächse auf niedrigerem Niveau etwa in Starnberg oder am Münchner Flughafen bremsen den freien Fall.

Als Begründung wird gemeinhin angenommen, dass die Fünf-Sterne-Hotels fehlen. Und in der Tat: In ganz Oberbayern existieren nur 13 Häuser dieser Kategorie, von denen allein fünf in München stehen.

Vielleicht liegt es aber auch am Image Oberbayerns, dass eher für Tradition und regionale Verwurzelung steht. Es mag sein, dass die Passionsspiele in Oberammergau tatsächlich eher ältere Menschen anziehen, als die Jugend und auch Events wie das alljährliche Maibaumaufstellen, mit dem der Tourismusverband Oberbayern auf seiner Webseite wirbt, mag allein nicht ausreichen, um die Zahlen wieder in die Höhe zu treiben.

Dabei gibt es kaum eine Region in Deutschland, die in punkto Natur mehr zu bieten hätte. Traumhaft schöne Seen, Berge und viele alte Städte laden ebenso zum Verweilen ein wie die unzähligen Biergärten und Biobauernhöfe. So ist es vielleicht nur eine Frage der Kommunikation, denn zum Erholen ist die Region auf jeden Fall bestens geeignet …

Es ist auf jeden Fall zu wünschen, dass die nächste Zehn-Jahres-Bilanz wieder erfreulichere Zahlen liefert, denn sonst dürften insbesondere die zahlreichen kleinen Pensionen und Drei-Sterne-Hotels bald ums Überleben kämpfen.


2 Responses to “Tourismus: Region Oberbayern in der Krise?”

  1. Unsere neue Wandertour führt uns in die traumhafte Landschaft Oberbayern, aber irgendwie haben die Leute dort noch nicht realisiert, dass es neue Konkurrenz gibt. Selten habe ich in den letzten Jahren so unflexibles Personal in Restaurants und Hotels gefunden wie gerade hier. Viele Zimmer und Wohnungen und die ganzen Häuser waren vor 10 Jahren ganz gut, aber seither hat sich nicht viel getan.

  2. Das es an 5 Sterne Hotels mangelt mag ich nicht glauben, da die breite Masse sich diese nicht unbedingt leisten kann. Als Betroffener kann ich selbst ein Vermarktungsproblem feststellen und verkrustete Strukturen die immer noch von den alten Besucherzahlen träumen.

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