Tschernobyl – Nervenkitzel in der Sperrzone
6.August.2007 admin
Zugegeben: Beim Gedanken daran, einen Tag im ukrainischen Tschernobyl zu verbringen, beschleicht mich schon ein mulmiges Gefühl. Denn auch, wenn die Katatstrophe im dortigen Atomreaktor nunmehr 21 Jahre zurückliegt: Die radioaktive Verseuchung dauert bis zum heutigen Tag an.
Und trotzdem – oder sollte man schreiben: deswegen – finden sich immer mehr Menschen, die einen Tag in der Todezone verbringen möchten. Die Tageszeitung "Welt" berichtet:
Als sich der Unglücksfall im vergangenen Jahr zum 20. Mal jährte, besuchten 200 000 Menschen den Unglücksreaktor. Auch in diesem Jahr ist der Andrang groß, [fremdenführer] Sergei müsste eigentlich einen größeren Bus anschaffen, um nicht immer wieder Kunden abweisen zu müssen.
145 US-Dollar kostet eine Tagestour in das Gebiet, das keineswegs wie eine Wüste aussieht. Denn:
21 Jahre nach dem Unglück sieht die Gegend um Reaktor 4 aus wie ein Naturparadies. Seitdem die Gegend verseucht wurde, wird hier nichts mehr in Stand gehalten. Gras und Birkenschösslinge brechen durch den Straßenasphalt, ungemähte Blumenwiesen blühen bunt, der wild wuchernde Wald verschluckt nach und nach die Häuser, die schon in sich zusammenfallen. Auch Tiere gibt es hier: Wölfe, Luchse, Elche und Wildschweine erobern das von den Menschen weitgehend verlassene Gebiet zurück. Es fällt schwer, sich klarzumachen, dass die gesamte Gegend für die nächsten 24 000 Jahre für Menschen unbewohnbar ist.
Doch einen kurzen Besuch kann man dieser Gegend nach Angaben des Tourismus-Betreibers schon abstatten ohne dabei gleich radioaktiv verseucht zu sein …